Von Prinzen und Fröschen, Prinzessinnen und Gänselieseln und Untertanen

Mit dem ersten Tropfen der Muttermilch, mit dem ersten Kontakt zu der maßgeblichen sozialen Bezugsperson erfahren wir schon als Neugeborene, welche Lebensposition unsere soziale Bezugsperson einnimmt und welche wir folgerichtig einnehmen werden. Eric Berne bezeichnet diese Lebenspositionen u.a. mit den Begriffe „Prinz/Prinzessin“ und „Frosch/Gänseliesel“ und Untertan.
Jungs haben die Alternative zwischen Prinzen und Fröschen, Mädchen erfahren, ob sie Prinzessin oder Gänseliesel werden. Beide dürfen sich aber auch als Untertanen oder Hoffnungslose einordnen.

Prinzen und Prinzessinnen nehmen die Lebensposition „Ich bin okay - Du bist okay!“ ein. Sie akzeptieren, dass andere Menschen anders sind. Wenn sie etwas mit diesen anderen zusammen machen ist das okay, wenn nicht, ist das auch okay.

Prinz und Prinzessin
Prinz und Prinzessin

Frösche bzw. Gänseliesel sehen die Welt und die anderen anders: Sie glauben, dass sie selbst besser, klüger, schöner, ... sind und lassen das die anderen spüren. Hier finden sich keine echten Prinzen! Frösche und Gänseliesel sind in der „Säuberungs-Position“ „Ich bin okay! - Du nicht!“ Sie stehen für Machtmissbrauch.

Diese Gruppe Menschen stellen die Verfolger im Dramadreieck., Sie „verfolgen“ andere - als Lehrer, Eltern, Vorgesetzte, bessere Autofahrer,... Sie lassen, wo immer es geht, diejenigen, die weniger mächtig als sie selbst sind, ihre scheinbare Überlegenheit spüren lassen. Sie spielen „Makel“ und sind damit beschäftigt, anderen immer zu zeigen, dass sie besser und die anderen schlechter sind. Sie mäkeln, kritisieren, grenzen aus und führen virtuelle oder tatsächliche Feldzüge gegen die, die aus ihrer Sicht nicht okay sind. Sie missachten das Lebens(gestaltungs)recht anderer und mischen sich ohne Auftrag in das Leben derjenigen, die sie für weniger kompetent halten, ein.
Typische Frösche der Gegenwart (2018) finden sich unter vielen Politikern, Lehrer*innen und anderen -auch selbst ernannten- "Hütern von Recht und Ordnung". In diese Gruppe gehören auch Populisten und „Volkstribune“ wie z.B. Donald Trump, Viktor Orban, Wladimir Putin.
Mit dieser Haltung produzieren sie ...

Frosch und Gänseliesel
Gänseliesel und Frosch

Untertanen.
Untertanen stehen in der Lebensposition „Ich bin nicht okay! - Du bist okay!” Sie sind die „Opfer“ im Dramadreick. Dies ist die „Selbsterniedrigungs-Position“, eine depressive Position. Sie wird von Verlierern eingenommen, die auch dazu neigen, andere erniedrigen, damit die sich okay fühlen dürfen.
Es ist die Position derer, die permanent jammern: „Hätte ich doch…“ – „Ach, wäre es doch geschehen, dass…“
Typische Untertanen verstecken sich aktuell hinter dem Begriff „Volk“, dessen Repräsentanten sie angeben zu sein. In der Masse folgen sie ihrer Angst vor Ich-Werdung (vgl. Riemann-Modell).
Da sie die höhere Kompetenz der Frösche anerkennen, benötigen sie auch den Ratschlag der Frösche, deren Einsichten und Ideen zur Problemlösung. Sie sind diejenigen, die den Fröschen kritiklos glauben und hinterherlaufen.

Lebensposition Untertan
Untertanen
Scene aus "Another Brick in the Wall (moviefon.com)

Die Desperados - die ohne Hoffnung
Sie leben aus der Position „Ich bin nicht okay! - Du auch nicht!“ heraus. Dies ist die „Sinnlosigkeits-Position“. Es ist die Position von schizoiden bis schizophrenen Menschen, die auch mit dem Gedanken spielen, warum sie sich nicht umbringen sollten.

Fazit: Prinzen und Prinzessinnen sind rar. Gänseliesel und Frösche gibt es in mehr als ausreichender Anzahl.
Es ist schwierig, ein Prinz resp. eine Prinzessin zu werden und so zu handeln, wenn man als Frosch resp. Gänseliesel geboren bzw. sozialisiert wurde.

Sinnlosigkeit
Die ohne Hoffnung

Der Trost und die Hoffnung: Man kann jedoch Prinzessin und Prinz lernen. Wer sich in einer mächtigen Position befindet und die Zukunft mit selbständigen, selbstdenkenden und reflektiert handelnden Mitmenschen verbringen möchte, sollte dringend darauf achten, dass sein Handeln aus dieser Machtposition heraus keine Untertanen produziert. Wer andere gängelt, muss sich nicht wundern, wenn sie zu eigenen Entscheidungen nicht fähig sind.

Wer Untertan, also Mitläufer ist, darf sich fragen, wie lange er/sie das eigene Großhirn unterfordern oder gar ausgeschaltet lassen möchte. Jeder Mensch ist zum eigenständigen Denken, Fühlen und Handeln befähigt. Man darf also selbst Informationen aus vielen unterschiedlichen Quellen, sammeln, bewerten, abwägen und sich unter Hinzuziehen der eigenen ethischen Werte eine eigene Meinung bilden.
Nach meinem Kenntnisstand führten die letzten großen Massenbewegungen im Gefolge von Volkstribunen und "Führern" in Deutschland immer in die Katastrophe. Eine Wiederholung sollten wir vermeiden.

© som/gpzh ( November 16, 2018 )  
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